Frankfurt am Main – Massive Kostensteigerungen, insbesondere bei Energierohstoffen und Düngemitteln, sowie die zum Teil niedrigen Erzeugerpreise belasten die Betriebe und wirken sich deutlich auf die Stimmung in der Landwirtschaft aus. Das Agrar-Geschäftsklima sank deshalb weiter auf jetzt -2,9 Punkte (März 2026: -2,6 Punkte). Das ist der niedrigste Wert seit 2016.
Die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Lage sinkt bei den befragten Landwirtinnen und Landwirten um 1,4 Punkte auf jetzt -2,6 Punkte. Die schlechtere Beurteilung zeigt sich über alle Betriebsformen hinweg, im Ackerbau ist sie mit -4,1 Punkten besonders deutlich.
Beim Ausblick auf die kommenden zwei bis drei Jahre sind die Befragten dagegen etwas weniger pessimistisch. Die Bewertung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage verbesserte sich von -3,9 auf -3,2 Punkte. Dieser Beurteilung liegt im Wesentlichen die Erwartung zugrunde, dass sich die Verkaufspreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse erholen und die Betriebsmittelpreise sinken. Insgesamt sieht knapp die Hälfte (48 %) der Befragten ihre Zukunftsaussichten als gleich an, 11 % bewerten sie als günstiger oder sehr viel günstiger (März 2026: 42 % bzw. 11 %).
Trotz der gedämpften Stimmung haben in den vergangenen 12 Monaten wieder mehr Landwirtinnen und Landwirte investiert. 74 % von ihnen gaben in der Umfrage an, investiert zu haben (März 2026: 71 %).
Der Blick nach vorn zeigt, dass auch die Investitionsbereitschaft leicht zunimmt. 57 % der befragten Landwirtinnen und Landwirte planen derzeit, in den kommenden 12 Monaten zu investieren (März 2026: 55 %). Die Befragung zeigt aber auch, dass das tatsächlich getätigte Investitionsvolumen von dem im Vorjahreszeitraum geplanten Investitionsvolumen abweicht. Das ist eine Entwicklung, die seit 2025 zu beobachten ist. Das liegt daran, dass die Preisschwankungen der letzten Monate und die geopolitischen Unsicherheiten die betrieblichen Planungen zunehmend erschweren.
Die Bewertung der betrieblichen Liquidität hat sich gegenüber der letzten Umfrage ebenfalls verschlechtert. Dennoch geben weiterhin mehr als 75 % der befragten Landwirtinnen und Landwirte an, ihre betriebliche Liquidität aktuell als mittel bis sehr gut zu bewerten. Der Anteil der Landwirte mit der Einschätzung einer guten oder sehr guten betrieblichen Liquidität sinkt im Vergleich zum Frühjahr deutlich. Oliver Mußhoff, Professor für „Landwirtschaftliche Betriebslehre“ an der Humboldt-Universität zu Berlin hatte das bereits vorausgesagt.
Die Rentenbank hat zum 1. Juni 2026 ein Sonderprogramm zur Liquiditätssicherung auf den Weg gebracht. Die Darlehen werden zur neuen Kondition „LR-Soforthilfe“ vergeben, die durch eine Zinsvergünstigung aus eigenen Mitteln der Rentenbank finanziert wird. Bis Mitte Juli wurden über 630 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 32 Mio. Euro von der Rentenbank zugesagt.
Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Rentenbank: „Das Agrarbarometer ist ein Warnsignal, aber kein Grund, den Blick nur auf die Probleme zu richten. Die landwirtschaftlichen Betriebe zeigen trotz schwieriger Rahmenbedingungen Resilienz und investieren weiter in ihre Zukunft. Entscheidend ist jetzt, aus dieser Widerstandsfähigkeit neue Perspektiven zu machen - mit verlässlichen Rahmenbedingungen, Innovation und Investitionen, die den Betrieben helfen, auch in unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben."
Hier finden Sie die Ergebnisse des Rentenbank-Agrarbarometers.
Über das Rentenbank-Agrarbarometer
Das Rentenbank-Agrarbarometer ist der einzige empirisch fundierte und über einen längeren Zeitraum verfügbare Index mit Aussagen zur aktuellen Situation und den Erwartungen in der deutschen Landwirtschaft. Es wird seit März 2024 vierteljährlich im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank vom Marktforschungsunternehmen Kynetec erhoben und knüpft an das frühere „Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar“ an. Das Rentenbank-Agrarbarometer basiert auf der Auswertung einer Befragung von 1.000 Landwirtinnen und Landwirten sowie 150 Lohnunternehmen in Deutschland. In der Umfrage geht es u. a. um die Einschätzung der gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen Lage, um das Investitions- und Finanzierungsverhalten und um weitere Themen in der deutschen Landwirtschaft. Als Grundlage dient eine repräsentative Stichprobe unter landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben hinsichtlich Betriebsart, konventioneller/ökologischer Bewirtschaftung, regionaler Verteilung und Größenklassen.
Hintergrund:
Die Landwirtschaftliche Rentenbank ist die deutsche Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum. Der Förderauftrag schließt neben der Land- und Forstwirtschaft sowie der gesamten Wertschöpfungskette Lebensmittel den Ausbau erneuerbarer Energien ebenso ein wie die Förderung der Bioökonomie. Besonderes Gewicht liegt auf der Innovationsförderung. Sie reicht von der Forschung und Entwicklung an Hochschulen über die Frühfinanzierung agrarnaher Start-ups bis hin zur Markt- und Praxiseinführung neuer Technologien und Produkte. Die Förderinstrumente der Rentenbank sind Zuschüsse, Nachrangdarlehen und Programmkredite. Die Programmkredite werden wettbewerbsneutral über die Hausbanken der Endkreditnehmer vergeben. Die Rentenbank refinanziert Banken, Sparkassen und Gebietskörperschaften mit Bezug zum ländlichen Raum. Die Bank ist eine bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts, deren Grundkapital von der Land- und Forstwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland aufgebracht wurde. Sie unterliegt dem KWG und wird von der BaFin und der Bundesbank beaufsichtigt. Die Förderbank refinanziert sich an den Finanzmärkten und gehört zu den wenigen Triple-A-Adressen Deutschlands.