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Wie das Dreieck aus Landwirtschaft, Bioökonomie und Biodiversität
unsere Sicherheit stärkt

Blogpost |

18. Februar 2026

Dieser Beitrag ist am 18.2.26 im Tagesspiegel Background Agrar & Ernährung erschienen.

steinbock spricht über...
Die jüngste Münchner Sicherheitskonferenz hat wieder eindrücklich gezeigt, wie notwendig nicht nur die Diskussion, sondern das entschlossene Handeln für unsere Verteidigungsfähigkeit ist. Es wurden dort aber nachvollziehbarerweise nicht alle Perspektiven der Verteidigungsfähigkeit behandelt. Sicherheit im 21. Jahrhundert ist aber mehrdimensional: Sie bemisst sich nicht allein an militärischer Schlagkraft, sondern auch an der Widerstandsfähigkeit wirtschaftlicher, ökologischer und gesellschaftlicher Systeme.

Entscheidend ist eben auch, ob ein Staat die grundlegenden Bedürfnisse seiner Bevölkerung dauerhaft sichern kann – selbst unter volatilen geopolitischen Konstellationen, instabilen Handelsbeziehungen oder beschleunigten Klimaveränderungen.

Langfristige Versorgungssicherheit geht dabei weit über strategische Reserven oder die Diversifizierung importabhängiger Lieferketten hinaus. Sie beruht auf drei eng miteinander verknüpften Dimensionen: eigene Ressourcen sichern, sie effizient nutzen und ihre ökologische Regenerationsfähigkeit dauerhaft gewährleisten.

Diese Dimensionen spiegeln sich konkret in drei Säulen wider: einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft, die Ressourcen bereitstellt, einer innovativen Bioökonomie, die Effizienz und Wertschöpfung steigert, und einer robusten Biodiversität, die Stabilität und Anpassungsfähigkeit sichert. Zusammen bilden sie für mich das „Dreieck der strategischen Versorgungssicherheit“.

1. Ressourcen sichern – durch eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft

Eine leistungsfähige Landwirtschaft liefert hochwertige und bezahlbare Nahrungsmittel ebenso wie biobasierte Rohstoffe im eigenen Land und reduziert Abhängigkeiten von externen Lieferketten. Sie schafft regionale Wertschöpfung, sichert Beschäftigung und stabilisiert ländliche Räume. Darüber hinaus sichert sie auch durch Exporte die eigene Rentabilität und Widerstandskraft.

Gleichzeitig kann sie Biodiversität aktiv fördern: vielfältige Fruchtfolgen, Agroforstsysteme, humusaufbauende Bewirtschaftung, integrierter Pflanzenschutz oder Blüh- und Rückzugsflächen verbessern Bodenstruktur, Wasserhaltefähigkeit und natürliche Schädlingsregulation – und sichern so langfristig die Produktivität.

2. Ressourcen effizient nutzen – durch eine innovative Bioökonomie

Die Bioökonomie verwandelt Nebenprodukte, Reststoffe und Biomasse in hochwertige Produkte, Energie oder neue Materialien. Kreislaufansätze steigern Ressourceneffizienz, reduzieren Abhängigkeiten von fossilen Importen und entlasten gleichzeitig ökologische Systeme.

Bioökonomie eröffnet neue industrielle Wertschöpfungsketten, stärkt Innovationsfähigkeit und schafft flexible Produktionsstrukturen. So könnten – bei ausreichenden Investitionen - Engpässe mittelfristig kompensiert und Versorgungslücken nachhaltig geschlossen werden.


3. Anpassungsfähigkeit sichern – durch starke Biodiversität

Biodiversität bildet die ökologische Grundlage des gesamten Systems. Intakte Ökosysteme sichern Bodenfruchtbarkeit, Bestäubung, natürliche Schädlingsregulation und stabile Wasserhaushalte. Sie erhöhen die Regenerationsfähigkeit nach Extremereignissen und liefern genetische Vielfalt für Züchtung und Innovation.

Nachhaltige Landwirtschaft und eine ressourceneffiziente Bioökonomie können Biodiversität aktiv fördern – durch naturnahe Anbaupraktiken, Kreislaufsysteme und die gezielte Stärkung von Ökosystemleistungen. So entsteht ein stabiler, zukunftsfähiger Kreislauf zwischen Produktion, Nutzung und ökologischer Regeneration.

Strategische Hebel für ein resilientes Versorgungssystem

Versorgungssicherheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert integrierte Strategien und ein gemeinsames Handeln der relevanten Akteure aus Politik, (Finanz-)Wirtschaft und Gesellschaft. Die folgenden sechs Handlungsfelder sind dabei zentral:

  1. Innovation systemisch ausrichten und finanzieren
    Es braucht massive Investitionen in innovative Technologien, die ökologische Ziele und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit miteinander verbinden – von Präzisionslandwirtschaft über digitale Monitoring-Systeme bis hin zu biobasierten Materialien. Produktivität, Ressourceneffizienz und Biodiversität werden so Hand in Hand gesteigert.
  2. Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen
    Stabile politische und schlanke regulatorische Leitplanken, konsistente Förderprogramme und transparente sowie praxisnahe Nachhaltigkeitsstandards ermöglichen strategische Investitionen, in denen ökonomische Entwicklung und ökologische Verantwortung langfristig zusammenspielen.
  3. Forschung und Entwicklung stärken
    Interdisziplinäre Forschung zu klimaresilienten Anbausystemen, regenerativer Bodenbewirtschaftung, Kreislaufwirtschaft und biobasierten Technologien stärkt alle drei Dimensionen des Dreiecks zugleich. Ziel ist ein System, das sich kontinuierlich an neue ökologische und geopolitische Rahmenbedingungen anpasst.
  4. Ökonomische Anreize strategisch gestalten
    Maßnahmen wie die Vergütung von Biodiversitätsleistungen, die wirtschaftlich sinnvolle Reduzierung von Emissionen oder Förderung kreislauforientierter Technologien verbinden ökologische Leistungen mit wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Steuerliche Anreize, Investitionsprogramme und Prämien schaffen Handlungsspielräume für nachhaltige Innovationen.
  5. Monitoring und adaptive Steuerung etablieren
    Transparente Daten zu Böden, Wasserressourcen, Artenvielfalt und Lieferketten erhöhen die Reaktionsfähigkeit bei Risiken. Eine gut aufgesetzte und adaptive Steuerung in Betrieben ermöglicht es, Produktion, Wertschöpfung und Ökosystemleistungen gleichzeitig zu optimieren.
  6. Gesellschaftlichen Rückhalt sichern
    Versorgungssicherheit braucht gesellschaftliche Akzeptanz. Politisches Bewusstsein, unternehmerische Verantwortung und bewusste Konsumentscheidungen sorgen dafür, dass ökonomische Leistungsfähigkeit und ökologische Stabilität gemeinsam verfolgt werden.

Die Landwirtschaftliche Rentenbank stärkt das Dreieck der strategischen Versorgungssicherheit, indem sie gezielt Investitionen ermöglicht, die Produktivität, Ressourceneffizienz und ökologische Stabilität zugleich stärken. Zudem unterstützt sie Forschung, bietet ökonomische Anreize und schafft verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen für nachhaltige Innovationen.

Versorgungssicherheit als Kern moderner Sicherheitspolitik

Wer Sicherheit ausschließlich militärisch definiert, übersieht die strukturellen Verwundbarkeiten moderner Gesellschaften. Echte Sicherheit entsteht dort, wo Staaten ihre Bevölkerung auch unter Stressbedingungen zuverlässig versorgen – auf einer stabilen, effizienten und regenerationsfähigen Ressourcenbasis.

Das Dreieck aus Landwirtschaft, Bioökonomie und Biodiversität ist daher kein agrarpolitisches Detailthema, sondern ein zentraler Baustein moderner Sicherheitspolitik. Künftige Debatten – auch auf Foren wie der Münchner Sicherheitskonferenz – sollten diese Dimension stärker berücksichtigen. Resilienz, Stabilität und Handlungsfähigkeit beginnen nicht erst im Verteidigungsfall, sondern im Fundament unserer Versorgungssysteme.

#Ernährungssicherheit #Landwirtschaft #Bioökonomie #Biodiversität

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