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Internationales Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026: Allianz fordert die Politik und Gesellschaft auf, Hürden weiter abzubauen.

Blogpost |

19. Januar 2026

steinbock spricht über…
Eine Allianz aus neun Akteuren aus der Landwirtschaft, den ländlichen Raum, der Wirtschaft und Politik begrüßt die Entscheidung der Vereinten Nationen, das Jahr 2026 als „International Year of the Woman Farmer“ auszurufen. Damit rückt die zentrale Rolle von Frauen in der Landwirtschaft weltweit in den Fokus.

Logos der Allianz, bestehend aus neun Akteuren aus der Landwirtschaft, dem ländlichen Raum, der Wirtschaft und Politik

Ob als Unternehmerinnen, Landwirtinnen oder Fachkräfte: Frauen in der Landwirtschaft schaffen täglich Wert und Werte – für die Wirtschaft und für die ländlichen Räume. Sie gründen Betriebe und neue Betriebszweige, übernehmen Verantwortung für Mitarbeitende, bringen Innovationen auf die Höfe und tragen diese in ihre Netzwerke. Zudem begeistern sie die nächste Generation für ein zukunftsstarkes Berufsfeld.

Trotz positiver Entwicklungen bestehen weiterhin strukturelle Hürden, insbesondere bei Betriebsübernahmen und beim Aufstieg in Führungspositionen. Laut Eurostat (2020) liegt der Anteil von Frauen in landwirtschaftlichen Führungspositionen EU-weit bei rund 32 Prozent. In Deutschland werden nach Agrarstatistik lediglich 11 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geführt – damit ist Deutschland im europäischen Vergleich Schlusslicht.

Die Allianz zeigt in acht zentralen Handlungsfeldern auf, wie Gleichstellung, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft in der Landwirtschaft durch politische, soziale und wirtschaftliche Maßnahmen gestärkt werden können.

Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für Frauen in der Landwirtschaft nachhaltig zu verbessern und ihre Potenziale sichtbar zu machen.

Verbändeallianz - Internationales Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026

Wir begrüßen die Entscheidung der Vereinten Nationen, das Jahr 2026 als „International Year of the Woman Farmer“ auszurufen. Ob als Unternehmerinnen, Landwirtinnen oder Frauen in der Landwirtschaft: Entscheidend ist, dass diese Frauen täglich Wert und Werte schaffen für die Wirtschaft und für die ländlichen Räume. Sie gründen Betriebe und Betriebszweige, tragen Verantwortung für Mitarbeitende, bringen Innovationen auf die Höfe, tragen diese in ihren Netzwerken weiter und begeistern die nächste Generation für ein zukunftsstarkes Berufsfeld.

Trotz positiver Entwicklungen bestehen weiterhin strukturelle Hürden, die Frauen insbesondere bei Betriebsübernahmen und beim Aufstieg in Führungspositionen ausbremsen. Im EU-weiten Durchschnitt sind circa 32 Prozent Frauen in landwirtschaftlichen Führungspositionen (Eurostat, 2020). In Deutschland werden laut Agrarstatistik nur 11 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geführt. Damit ist Deutschland im EU-Vergleich ein Schlusslicht. Dieses Papier formuliert acht Handlungsfelder, um Gleichstellung, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft in der Landwirtschaft zu stärken.

  1. Traditionelle Rollenbilder aufbrechen
    Wir fordern alle zu einem Umdenken auf: Körperlich schwere Arbeit ist heute nur noch selten eine Kernanforderung auf Betrieben. Aufgabenverteilung und Hofnachfolge müssen kompetenzbasiert und unabhängig vom Geschlecht erfolgen. Sichtbare Vorbilder und gezielte Öffentlichkeitsarbeit sind ein zentraler Hebel für das Aufbrechen traditioneller Rollenbilder. Bildungsangebote in Schulen, Berufsschulen und Hochschulen müssen moderne Berufsrealitäten der Landwirtschaft abbilden und vermitteln.

  2. Politische Interessenvertretung stärken
    Frauen benötigen eine stärkere Stimme in agrarpolitischen Prozessen und Gremien. Die systemische Einbeziehung (bspw. paritätische Besetzung) weiblicher Expertise in Konsultationen, Anhörungen und Arbeitsgruppen ist verbindlich umzusetzen. Divers besetzte Gremien haben einen ganzheitlichen Blick und können dadurch zukunftsfähigere Entscheidungen treffen. Die unterschiedlichen Perspektiven stärken Prozesse. Instrumente wie Qualifizierungspools, Mentoringprogramme und Talent-Listen für weibliche Kandidatinnen müssen aktiv gepflegt werden. Politik und Gesellschaft sind gefordert, Programme gezielt auszubauen, die junge Landwirtinnen begleiten und deren beidseitigen Nutzen messbar zu machen. Sitzungszeiten, -formate und digitale Teilnahme müssen vereinbarkeitsfreundlich gestaltet sein.

  3. Zugang zu Kapital und Finanzierung erleichtern
    Frauen stoßen bei der Finanzierung von Investitionen weiterhin auf strukturelle Hürden. Kreditentscheidungen fußen auf dem Einkommen und Sicherheiten. Diese Rahmenbedingungen wirken sich nachweislich ungleich aus, da landwirtschaftliche Betriebe und Flächen weiterhin überwiegend an Männer übergeben werden und Frauen im Durchschnitt geringere Einkommen erzielen als ihre männlichen Kollegen. Entscheidend sind gezielte Maßnahmen, die Frauen systematisch den Zugang zu vergleichbaren Besitz- und Vermögensstrukturen eröffnen. Dazu braucht es Sichtbarkeit, Bewusstsein und konkrete Impulse entlang bestehender Strukturen. Auf Seiten der Banken kann dies durch eine entsprechende Sensibilisierung sowie über spezifische auf Frauen zugeschnittene Förder- und Beratungsangebote gelingen.

  4. Flexibilität in der Förderlogik
    Die Lebensrealitäten sehen für jede Landwirtin und Unternehmerin anders aus - ob durch einen Quereinstieg, Familienplanung, oder durch Weiterbildung kann die Betriebsübernahme früher oder später erfolgen. Laut KfW-Gründermonitoring 2025 wurden 41 Prozent aller Gründungen in Deutschland von Menschen über 35 Jahren vollzogen. Förderbedingungen müssen dies abbilden. Wir empfehlen Gründungsförderung auch in der Landwirtschaft weniger streng an das Alter anzulehnen, sondern in einem größeren Maße die Startphase der Betriebsübernahme oder -gründung zu unterstützen (z. B. innerhalb von fünf Jahren nach der Betriebsübernahme). Darüber hinaus sollten auch schrittweise Hofübergaben und Kooperationsmodelle berücksichtigt werden.

  5. Wissen macht stark – Beratungsangebote ausweiten und sichtbar machen
    Die landwirtschaftliche Beratung – ob durch Kammern, Verbände sowie andere private oder öffentliche Anbieter – spielt eine zentrale Rolle, um die Landwirtschaft insgesamt zu stärken. Beratungsangebote und Coachings zu Themen wie Finanzen, Hofübergabe, Gründungsberatung sowie zur finanziellen Absicherung als Selbstständige, insbesondere während der Schwangerschaft, sind essenziell. Es ist wichtig, diese Angebote weiter auszubauen und dabei gezielt auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen in der Landwirtschaft einzugehen. Mentoring- und Coachingprogramme müssen in jeder Region verfügbar sein, auch für Quereinsteigerinnen. Zertifizierte Lernpfade sollen Kompetenzen sichtbar machen und Karrierewege öffnen. Verbände können als Drehscheibe für Programme, Stipendien und Qualitätsstandards dienen.

  6. Transparentes Register für Fördermöglichkeiten
    Es gibt bereits eine Vielzahl bestehender Förderprogramme, doch die Informationen sind nicht einfach zu finden. Daher fordern wir eine zentrale Plattform, auf der alle finanzierten Fördermaßnahmen übersichtlich gelistet sind – einschließlich der jeweiligen Förderbedingungen. Eine solche Plattform würde eine wichtige Lücke schließen: Sie würde Förderprogramme transparenter und leichter abrufbar machen.

  7. Netzwerke und Sichtbarkeit ausbauen
    Bestehende Frauen-Netzwerke zeigen, wie Austausch, Mentoring und Sichtbarkeit Erfolge beschleunigen. Wir fordern eine nachhaltige Finanzierung und regionale Skalierung solcher Initiativen. Medienpartnerschaften, Awards und Role-Model-Kampagnen erhöhen die öffentliche Wahrnehmung weiblicher Leistung in der Landwirtschaft. Digitale Plattformen können Kooperationen, Fachwissen und Projekte bündeln.

  8. Soziale Sicherung und Altersvorsorge von Frauen in der Landwirtschaft stärken
    Finanzielle Weiterbildung und Beratung sind ein essenzieller Baustein, um Frauen vor Altersarmut zu schützen. Viele arbeiten im Betrieb des Mannes oder der Eltern mit, ohne formal abgesichert zu sein und ohne, eigenes Einkommen. So können sie weder eigenes Vermögen noch Anwartschaften in der gesetzlichen oder einer privaten Rentenversicherung erwerben. Dabei fußt die Alterssicherung in Deutschland auf mehreren Säulen (gesetzlich, betrieblich, privat). Die Alterssicherung der Landwirte (AdL) ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, der in dieser Form anderen Selbstständigen nicht zur Verfügung steht und sowohl Landwirtinnen, Ehepartnerinnen als auch mitarbeitende Familienangehörige absichert. Allerdings ist die AdL nur ein Baustein, der bei weitem nicht ausreicht, um ein auskömmliches Leben im Alter sicherzustellen. 30 Jahre nach Einführung der Bäuerinnenrente muss dieser Baustein im Sinne der Altersvorsorge von Frauen in der Landwirtschaft weiter gestärkt werden.
    Programme zur Stärkung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit und Absicherung müssen weitergefördert und ausgebaut werden. Die Verfügbarkeit relevanter Informationen sollte in zielgruppengerechter Form sichergestellt und niederschwellig zugänglich gemacht werden.

Die Landwirtschaft steht für Ernährungssicherheit, Innovation sowie regionale Wertschöpfung und Identität. Frauen sind dafür unverzichtbar. Die Umsetzung der hier formulierten Maßnahmen ist Voraussetzung für tatsächliche Gleichstellung in der Landwirtschaft, für wettbewerbsfähige Betriebe und für eine gesicherte Hofnachfolge. Politik, Verbände, Finanzakteure, Bildungseinrichtungen und Betriebe tragen hierfür gemeinsam Verantwortung. Das „Internationales Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026“ ist der richtige Moment, um die Weichen verbindlich zu stellen. Wir gestalten diesen Wandel aktiv – im Betrieb, im Verband und in der Gesellschaft.

#UNJahrderLandwirtin #Landwirtschaft #Resilienz

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