Navigation und Service der Landwirtschaftlichen Rentenbank

Springe direkt zu:

UN-Jahr der Landwirtin "Einfach machen!"

Blogpost |

26. Februar 2026

Wenn Gesa Langenberg über ihren Betrieb im niedersächsischen Bockstedt spricht, merkt man schnell: Hier geht es nicht um Romantik, sondern um klare Entscheidungen. Die studierte Landwirtin führt den Hof mit dem Schwerpunkt Ackerbau und Schweinehaltung gemeinsam mit ihrem Mann Josef. Vier Mitarbeitende und zwei Auszubildende gehören zum Team. Auf den Feldern wachsen vor allem Kartoffeln, im Stall hat Gesa Langenberg in den letzten Jahren durch Um- und Neubauten konsequent auf mehr Tierwohl gesetzt. Als dreifache Mutter jongliert sie zwischen Büro, Stall und Familie – und findet trotzdem Zeit, auf Instagram Einblicke in den Landwirtschaftsalltag zu geben. Im Interview spricht sie über ihren Weg, die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und warum Mut zu Entscheidungen wichtiger ist als Perfektionismus.

Gesa Langenberg auf der Wiese vor ihrem Bauernhof

Gesa, vor sieben Jahren hast du den Betrieb deiner Eltern übernommen. Nimm uns mal ein Stück mit: Aus welchen Aufgaben setzt sich dein Alltag als Landwirtin zusammen?

Oh, der ist je nach Jahreszeit sehr vielfältig – und das genieße ich. Ich habe viel praktische Arbeit im Schweinestall und im Sommer auf dem Acker, um die Bestände zu kontrollieren. Als bald vierfache Mutter ist ein großer Teil meiner Arbeit mittlerweile im Büro – das lässt sich mit der Familie gut verknüpfen. Ich kümmere mich um die ganze Organisation, Planung der Fruchtfolge, Vermarktungsstrukturen, betriebswirtschaftliche Entscheidungen, Controlling, Buchhaltung. Und um die strategische Ausrichtung: Wo wollen wir in den nächsten Jahren hin? Das bespreche ich natürlich immer sehr stark mit meiner Familie und unserem Team.

Gesa Langenberg in ihrem Schweinestall umgeben von Schweinen


Auf welche Entwicklungen deines Betriebs in der jüngeren Vergangenheit bist du besonders stolz?

Ich bin stolz, dass ich die letzten sieben Jahre das operative Geschäft hier ganz gut gewuppt habe. Ich konnte klare Akzente setzen. Es freut mich, dass wir 2022 einen Schweinestall umgebaut und 2024 einen neuen Stall gebaut haben – um höhere Kennzeichnungen für Haltungsformen zu bekommen. Die Schweine haben jetzt deutlich mehr frische Luft, mehr Auslauf, mehr Platz und sie können auf Stroh liegen. Durch technische Raffinessen kriegen wir es hin, dass sie ihre natürlichen Verhaltensweisen besser ausleben können, und wir können die Emissionen deutlich reduzieren. Die Hälfte unserer Schweine lebt jetzt gemäß den Standards der Haltungsform 4. Wenn es nach mir ginge, würden wir langsam weitermachen. Aber es ist mit hohen Investitionskosten verbunden.

Artgerechte Tierhaltung und Wirtschaftlichkeit gehen Hand in Hand.
In unserer Förderstory von Gesa Langenberg erfahren Sie, wie sie ihren Stall für eine tiegerechte Haltung umgebaut hat.


Landwirtschaftliche Betriebe sind seit jeher meist Familienbetriebe. Inwiefern ist das heute noch zutreffend?

In unserer Region sind die allermeisten Betriebe Familienbetriebe, in die alle Generationen involviert sind. So ist das auch bei uns. Auch wenn mein Vater mir den Betrieb übergeben hat, merke ich eine riesige Unterstützung meiner Eltern, gerade bei der Kinderbetreuung. Eigentlich sind wir ein erweiterter Familienbetrieb: Mein Mann und ich geben gerne zunehmend auch Verantwortung an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab.

Wenn Du das Berufsbild der Landwirtin von heute mit dem von vor zehn Jahren vergleichst – was hat sich besonders geändert?

Am eigentlichen Berufsbild hat sich gar nicht so viel, aber eher an der Rolle der Frau. Es ist jetzt keine Seltenheit mehr, dass Frauen Unternehmen leiten und selbstverständlich Führungs- und Entscheidungspositionen bekleiden. Aber da ist noch Luft nach oben – Stichwort Regeln zum Mutterschutz als Selbstständige oder Kinderbetreuung. Viele in meinem Freundeskreis übernehmen tolle Positionen im Agribusiness. Ich will die Geschlechterfrage gar nicht so groß aufmachen, Frauen überzeugen sehr stark durch Können. Das belegen auch die Zahlen – es gibt immer mehr Betriebsleiterinnen. Aber es ist auch wichtig, ein gutes Team hinter sich zu haben.Wir haben zum Beispiel Unterstützung im Haushalt und ein Au-Pair-Mädchen, das schafft mir sehr viele Freiräume.

Von welchen Branchen könnte die Landwirtschaft noch lernen – und umgekehrt?

Ich finde die Start-up-Branche sehr spannend, weil es mit Selbstvermarktung, Sichtbarkeit, Transparenz, flexiblen Arbeitszeiten zu tun hat. Auch dass Innovationen anders verstanden werden – als fortlaufender Prozess. Dass man Dinge ausprobiert, wenn es nicht klappt, etwas anpasst, aber weitermacht. In der Landwirtschaft hemmt manchmal, dass wir so langfristig denken und hohe Investitionskosten haben. Aber das ist auch eine Stärke. Wir zeigen, wie verantwortungsvoll wir wirtschaften, dass wir über Generationen wirken. Wir setzen Ressourcen bewusst ein, haben den Gedanken der Nachhaltigkeit im Hinterkopf. Diese Kombination aus Verantwortung, Praxisnähe, Unternehmertum und wirtschaftlichem Denken – das ist ziemlich einzigartig.

Sie haben eine innovative Idee und wollen richtig durchstarten? Entdecken Sie jetzt unsere Start-up Finanzierung und sichern Sie sich die Unterstützung, die sie brauchen! Hier finden Sie alle Informationen für die gezielte Förderung innovativer Start-ups.


Du bist sehr kommunikationsstark und innovativ. Mit @hi.gesa betreibst du einen Instagram-Kanal mit über 4.700 Followern und hast eine eigene Granola-Reihe auf den Markt gebracht. Wie wichtig ist die eigene Öffentlichkeitsarbeit und Innovationskraft im Bereich Landwirtschaft?

Enorm wichtig! Viele Menschen interessieren sich dafür, wo unsere Lebensmittel herkommen und welche Personen hinter diesem Betrieb stehen. Transparentes Arbeiten und Öffentlichkeitsarbeit gehören einfach dazu. Darum ist es gut, so eine Plattform zu haben, über die man ansprechbar ist. Kindergärten und Vereine können sich unseren Betrieb anschauen – das mache ich gerne. Ich möchte vor allem für die Tierhaltung sensibilisieren, weil das sehr emotional geprägt ist. Deswegen freut es mich immer ganz besonders, wenn Anfragen auch von großen Medien zu diesem Thema kommen.


steinbock-spricht_blog_un-jahr-der-landwirtinnen_gesa-langenberg_beitrag_2

Welche Rolle spielen Kooperationen und Netzwerke im Speziellen für Landwirtinnen untereinander?

Eine ganz wichtige, weil sie einem immer neue Perspektiven aufzeigen. Es gibt viele Gruppen oder Netzwerke, in denen nur Frauen sind. Wir sprechen auch über nicht-landwirtschaftliche Themen, über Effizienz und Führung. Wie vereinbart man das mit den Kindern? Welches Coaching kann man absolvieren? Dass man sich gegenseitig für Gremien vorschlägt, für politische Ämter oder Verbandsarbeit, sich gegenseitig empowert – das finde ich ganz wichtig. Die DLG hat zum Beispiel ein Netzwerk für Frauen gegründet, die ‚Female Agri Fellows', die Rentenbank bietet Formate an, die Landwirtschaftskammern … Und es ist cool, wenn man zwischendurch auch mal in andere Regionen kommt, damit man nicht betriebsblind wird.

Sie möchten sich persönlich und beruflich weiterentwickeln? Das Frauen-Coaching der SVLFG bietet Ihnen gezielte Unterstützung und neue Impulse! Hier geht's zu den ausführlichen Informationen.


Das Jahr 2026 ist UN-Jahr der Landwirtinnen und soll unter anderem die Sichtbarkeit für weibliche Fach- und Führungskräfte in der Landwirtschaft erhöhen, und auch ihren Anteil von aktuell 11 % in Deutschland steigern. Wo muss es noch Verbesserungen geben?

Es braucht Leuchtturmfrauen nach außen, die zeigen: ‚Die kriegen das auch hin.' Auch dass man als Quereinsteigerin eine sehr gute Perspektive hat. Das kann junge Studentinnen oder Auszubildende sehr ermutigen. Man muss auch nicht alles selbst können, dafür ist die Landwirtschaft viel zu komplex. Also: keine Angst vor Beratung! Gleichzeitig müssen gute Lösungen gefunden werden für Themen wie Care-Arbeit, Mental Load – die sind nun mal nicht nebenbei zu erledigen.

Wie hat sich die Rolle der Frauen innerhalb der letzten Generationen in eurem Familienbetrieb geändert?

Gar nicht so viel. Von 14 Generationen bin ich jetzt die zweite Frau, die den Betrieb führt. Die erste war meine Großmutter vor 80, 90 Jahren, als älteste von vier Schwestern. Bei mir ist es ähnlich – ich bin die Jüngste von uns drei Schwestern. Mein Vater stand von Anfang an hinter mir, wobei ich mich erst relativ spät dazu entschieden habe. In der Generation meiner Eltern war meine Mutter, die Lehrerin war, immer voll gleichberechtigt. Sie wurde in alle finanziellen Fragen und Strategiefragen des Betriebes mit einbezogen. Man muss eben auch sämtliche Chancen und Perspektiven – und die Herausforderungen miteinander teilen. So wurde mir das in den letzten drei Generationen vorgelebt. Und so machen mein Mann und ich das jetzt auch.

Welche Zukunftsthemen beschäftigen dich aktuell ganz besonders?

Wie geht es in der Schweinehaltung weiter? Wie entwickeln sich unsere Märkte? Kriegen wir es hin, insgesamt eine höhere Kaufkraft für höhere Haltungsformen zu bekommen? Das ist für mich ein sehr großes Thema, weil ich Tierhaltung mit dem Ackerbau zusammendenke: Wir stellen selber den Dünger her für die Pflanzen auf unserem Acker, das ist ein sehr guter, biologisch durchdachter Kreislauf. Den möchte ich auch für die nächsten Generationen weiterführen, aber mit deutlich mehr Umweltschutz und Tierwohl. Und das andere große Thema ist künstliche Intelligenz, auch im Ackerbau und in der Schweinehaltung. Das hilft uns, mit präzisen Daten eine bessere Entscheidungsgrundlage zu haben.

Wir machen deine Stimme laut: Ob gerade in der Ausbildung, mitten in der Neuausrichtung oder seit Jahren erfolgreiche Unternehmerin – Welche Botschaft gibst du anderen Frauen in der Landwirtschaft mit?

Kennt eure Stärken, tragt euch gegenseitig in euren Netzwerken. Und dann: Einfach machen, nicht so viel darüber nachdenken. Hin und wieder treffe ich auch Fehlentscheidungen, aber die bringen mich trotzdem weiter. Akzeptieren, dass das eben auch dazugehört. Ich finde es immer besser, eine Entscheidung zu treffen, als keine Entscheidung zu treffen. Das würde ich gerne Frauen mitgeben, einfach zu entscheiden und dadurch auch ein gewisses Selbstbewusstsein zu entwickeln.


Gesa Langenberg auf auf ihrem Hof in Bockstedt

Über die Rentenbank
Die Landwirtschaftliche Rentenbank unterstützt landwirtschaftliche Betriebe mit zinsgünstigen Förderkrediten – auch für Investitionen in mehr Tierwohl, Nachhaltigkeit und Innovation. Mehr Informationen zu Fördermöglichkeiten finden Sie auf rentenbank.de.

 

#UNJahrderLandwirtin #Landwirting #Landwirtschaft #Tierhaltung

Zurück zur Übersicht

Kommentare

Teilen Sie Ihre Meinung mit uns!

Bitte beachten Sie, dass die Bearbeitung und Anzeige der Kommentare
etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Wir bearbeiten Kommentare von
Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr.
Wir freuen uns auf Ihre Meinung und danken Ihnen für Ihr Verständnis!

Bitte geben Sie Ihren bürgerlichen Vor- und Nachnamen vollständig ein.
Dies ist ein Pflichtfeld, bitte füllen Sie es aus Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe und geben Sie eine E-Mail-Adresse mit gültigem Format ein, z.B. max@mustermann.de.
Dies ist ein Pflichtfeld, bitte füllen Sie es aus
Dies ist ein Pflichtfeld, bitte füllen Sie es aus