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„Die Agrarwirtschaft und die ländlichen Räume sind das Rückgrat unserer Gesellschaft, denn sie erfüllen viele wichtige Funktionen für uns. Eine ist die Sicherstellung der Ernährung.“

Blogpost |

17. Dezember 2025

steinbock spricht mit…
Im Interview mit der dbk – Deutsche Bauern Korrespondenz spricht Nikola über die besondere Verantwortung der Rentenbank für die Förderung der Agrarwirtschaft und ländlicher Räume. Sie erläutert, wie die Bank Landwirte in herausfordernden Zeiten unterstützt, Innovationen und Nachhaltigkeit vorantreibt und gezielt junge sowie weibliche Betriebsleiterinnen fördert. Dabei betont sie die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen und moderner Technologien für die Zukunftsfähigkeit der Branche.

 

Was bedeutet es Ihnen persönlich, für die Themen Agrarwirtschaft und die ländlichen Räume verantwortlich zu sein? 

Es bedeutet mir sehr viel. Die Agrarwirtschaft und die ländlichen Räume sind das Rückgrat unserer Gesellschaft, denn sie erfüllen viele wichtige Funktionen für uns. Eine ist die Sicherstellung der Ernährung. Das hat auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe erkannt. Deshalb wird der Sektor Ernährung zu den schutzwürdigen Kritischen Infrastrukturen (kurz: KRITIS) gezählt. Daran mitwirken zu können, dass die Unternehmen der Land- und Agrarwirtschaft zuverlässig gesunde, qualitativ hochwertige und bezahlbare Lebensmittel produzieren können, ist eine große Motivation für mich.

Was ist im Vergleich zu anderen Banken besonders am Förderauftrag der Rentenbank?

Wir sind eine Förderbank. Deutschland hat den großen Vorteil, eine verlässliche Förderbankenlandschaft zu haben, die maßgeblich zur Umsetzung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ziele beiträgt.  Als einzige der Förderbanken haben wir den gesetzlichen Auftrag, die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum zu fördern. Das tun wir vor allem über sehr zinsgünstige Kredite und Zuschüsse. Auch unser Jahresüberschuss fließt in die Förderung. Zum einen in das Zweckvermögen, zum anderen in den Förderungsfonds.

Die Stimmung in der Landwirtschaft trübt sich erneut ein. Erzeugerpreise sinken, Kosten steigen, Auflagen nehmen zu. Was raten Sie den Landwirtinnen und Landwirten?

Die Ergebnisse unseres aktuellen Agrarbarometers spiegeln ebenso die aktuelle Stimmung in der deutschen Wirtschaft wider, wie sie auch im ifo-Geschäftsklimaindex sichtbar wird. Sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Gesamtwirtschaft nehmen Unsicherheit und Pessimismus zu. Die Gründe sind ähnlich: gestiegene Kosten, politische Unsicherheiten und eine zurückhaltende Investitionsbereitschaft prägen das Bild. Die Parallelen unterstreichen, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen und Förderung für die Zukunftsfähigkeit der Branche sind. Wir werden unser Engagement weiter verstärken, um die Landwirtinnen und Landwirte in herausfordernden Zeiten zu unterstützen.

Der langfristige Blick auf den Geschäftsklimaindex unseres Agrarbarometers zeigt: alles ist zyklisch und es sind selten alle Betriebszweige gleichermaßen betroffen. Eine wichtige Erkenntnis ist aus meiner Sicht: immer wieder überprüfen, ob das eigene Geschäftsmodell passt und wo individuelle Chancen liegen. Für viele Betriebe ist es eine gute Lösung, sich breiter aufzustellen, um wirtschaftlich schwierige Phasen auszuhalten. So kann höhere Resilienz entstehen. Und es ist immer ratsam, sich beraten zu lassen.

Wie hat sich der Fördermittelabruf/ Kreditvergabe bei der Rentenbank in den letzten Jahren verändert – welche großen Trends gibt es? Wie steht es um die Investitionen in die Zukunft? Welche Bereiche punkten, welche nicht?

Die Landwirtschaft ist eine der kapitalintensivsten Branchen in Deutschland. Neben Investitionen in bestehende Betriebszweige wird in neue Bereiche oder in Erweiterungen in die Zukunft der Betriebe investiert: neue Maschinen, Flächen, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und auch beispielsweise in die Direktvermarktung. Relativ konstant sind auch die Investitionen in erneuerbare Energien, vor allem in Windkraft. Investitionen in Zukunftsthemen wie Paludikulturen oder Agri-Photovoltaik sind dagegen - sagen wir mal – noch ausbaufähig.

Was wir spüren, ist, dass Investitionen dort sehr zurückhaltend betrachten werden, wo seit Jahren politische und regulatorische Rahmenbedingungen unklar sind. Biogas ist so ein Beispiel. Nachdem lange nicht klar war, wie es mit der Förderung weitergehen kann, hat der letzte Bundestag Anfang 2025 noch die Novelle des Biomassegesetzes verabschiedet. Nach der kürzlich erfolgten beihilferechtlichen Notifizierung der Gesetzesänderung konnte vielen Bestandsanlagen nun ein gangbarer Weg aufgezeigt werden. Das sah lange anders aus und hat für viel Verunsicherung unter den Landwirten gesorgt. Mit den höheren Ausschreibungsvolumen haben deutlich mehr Landwirte eine Chance auf Anschlussförderung und damit eine wirtschaftliche Perspektive sowie Planungssicherheit. Das ist ein erstes wichtiges Signal. Denn Biogas spielt durch die Unabhängigkeit von Wind und Sonne eine wichtige Rolle im erneuerbaren Energiesystem.

Jenseits der Finanzierung gibt es viele weitere Herausforderungen für die Landwirte. Wie unterstützen Sie die Landwirtschaft bei ihrer Transformation und bei Innovationen, beim Thema Nachhaltigkeit/Klimaschutz sowie erneuerbare Energien?

Wir haben in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Angeboten geschaffen. Zum einen mit unseren Zukunftsfeldern im Fokus, die vor allem wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends sowie politische Vorgaben adressieren. Ein Beispiel ist das im vergangenen Jahr gestarteten „Förderprogramm für Stallumbauten für mehr Tierwohl“, mit dem wir gezielt Anreize für Investitionen setzen. Der „Zuschuss Klimabilanz“ sowie der seit Anfang Oktober gewährte „Zinsbonus Klimabilanz“ sind weitere Instrumente, mit denen wir die landwirtschaftlichen Betriebe bei der Bewältigung aktueller und künftiger Herausforderungen begleiten. Wir fördern damit gezielt die Erstellung von Klimabilanzen für landwirtschaftliche Unternehmen.

Welche Unterstützung geben sie den Landwirten für den Generationenwechsel und auch für mehr weibliche Betriebsleiterinnen (denn die Landwirtschaft ist noch immer männlich dominiert)?

Wir als Rentenbank fördern junge Landwirtinnen und Landwirte, in dem wir ihnen unter anderem bei Investitionen unsere „LR-Top“-Konditionen bieten. Das gilt auch schon in der Übergabephase, wenn die Betriebe noch gemeinsam von Alt und Jung geführt werden. Außerdem engagieren wir uns jedes Jahr bei zahlreichen Aus- und Weiterbildungsangeboten, die junge Landwirtinnen und Landwirte auf ihrem Weg zur Hofübernahme begleiten.

Das Thema Frauen in der Landwirtschaft hat für uns ebenfalls einen besonderen Stellenwert. Mit unserem Zukunftsfeld „Hofnachfolgerinnen und Existenzgründerinnen“ adressieren wir deshalb weibliche Betriebsleiterinnen ganz direkt. Neben Finanzierungen in die von Frauen geführten Betriebe fördern wir zum Beispiel auch das Coaching-Programm für Betriebsleiterinnen, dass durch die SVLFG durchgeführt wird.

Auch Start-ups, Digitalisierung und KI sind Zukunftsfelder der Rentenbank. Welche Ziele verbinden Sie damit?

Moderne Technologien gestützt auf Digitalisierung und KI sind unabdingbar, um den komplexen Herausforderungen – vom Fachkräftemangel bis zur ressourcenschonenden Bewirtschaftung – zukunftsorientiert begegnen zu können. Wir fördern gezielt agrarnahe Startups, die neue Lösungen für die Landwirtschaft schaffen wollen. Die Innovationskraft und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors wollen wir durch die schnellere Markteinführung künftig stärken. Denn erst mit dem Einsatz auf den landwirtschaftlichen Betrieben können Innovationen ihre Wirkung entfalten. Deshalb fördern wir zum Beispiel zusammen mit dem BMLEH ab 2026 die Markteinführung von alternativen Antriebssystemen bei Landmaschinen.

Ernährungssicherung und kritische Infrastruktur: Wie unterstützt die Rentenbank diesen systemrelevanten Bereich der Agrarwirtschaft?

Wir fördern Unternehmen und Betriebe über die gesamte Wertschöpfungskette. Und wir fördern ländliche Räume, denn sie bilden das Rückgrat für die Menschen, die Lebensmittel produzieren. Für die Zukunft der Landwirtschaft braucht es aber auch Forschung. Mit unserer Edmund Rehwinkel-Stiftung haben wir das Thema Ernährungssicherung zum Schwerpunkt ihrer Forschungsförderung 2026 gemacht. Gemeinsam mit Wissenschaftlern wollen wir innovative Lösungsansätze und konkrete Umsetzungsstrategien erforschen, mit denen die Ernährungssicherheit als kritische Infrastruktur in erster Linie in Deutschland gestärkt werden kann.

Nichts ist beständiger in der Landwirtschaft als ihre Veränderung. Wo sehen Sie die Landwirtschaft in den nächsten 10 Jahren?

Die Landwirtschaft ist seit jeher eine Branche im Wandel. Sie erkennt Trends und entwickelt für sich Lösungen. Das erwarte ich auch für die Zukunft. Die Landwirtinnen und Landwirte werden ihre Betriebe so aufstellen, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit noch mehr zusammengehen. Dafür werden sie weiter in moderne Technik und in Digitalisierung investieren. Das fällt der Branche nicht schwer, denn sie ist eine der technikfreudigsten überhaupt. Das sehe ich bei meinen Besuchen auf den Betrieben und das habe ich auch auf der Agritechnica wieder eindrucksvoll gesehen.

Dieses Interview ist zuerst in der dbk – Deutsche Bauern Korrespondenz erschienen. 

#ländlicheRäume #Landwirtschaft #Digitalisierung

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