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Bio-LNG hat großes Potenzial für die Energiewende – aber regulatorische Hürden bremsen den Markthochlauf

Blogpost |

17. Juli 2026

Dieser Beitrag ist am 17.7.26 im Agrifood-Briefing von Table.Media erschienen.

steinbock spricht über...
Die sichere und bezahlbare Energieversorgung ist das Rückgrat der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft. Gleichzeitig darf diese nicht zu Lasten der Klimaziele gehen. Die Energiekrisen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der jüngsten Spannungen im Nahen Osten haben eindrucksvoll gezeigt, wie verwundbar eine Volkswirtschaft ist, die stark von fossilen Energieimporten abhängig bleibt.

Mehrere transparente, blasenförmige Strukturen schweben vor hellblauem Hintergrund. Die Formen erinnern an Flüssigkeitstropfen oder Gasblasen, die sich teilweise überlappen. Feine Luftbläschen verteilen sich im rechten Bildbereich und verstärken den Eindruck von Leichtigkeit und Bewegung.

Die Energiewende ist weit mehr als ein klimapolitisches Projekt. Sie ist ein Innovations- und Modernisierungsprojekt für unseren Wirtschaftsstandort. Es muss uns gemeinsam gelingen, neue Technologien nicht nur zu entwickeln, sondern Innovationen in die breite wirtschaftliche Anwendung zu bringen.

Der ländliche Raum ist ein Motor der Energiewende. Ein wesentlicher Teil der Energiewende findet im ländlichen Raum und auf landwirtschaftlichen Betrieben statt. Landwirtinnen und Landwirte sind längst nicht mehr ausschließlich Lebensmittelproduzenten. Sie investieren seit Jahren in Photovoltaik, Windenergie und Biogas, erschließen neue Wertschöpfung aus Rest- und Nebenströmen, schließen Stoffkreisläufe und entwickeln ihre Betriebe zu integrierten Energie- und Rohstoffstandorten weiter.

Energie-Resilienz entsteht nicht allein durch große Infrastrukturprojekte. Sie wächst auch dezentral – überall dort, wo regionale Ressourcen genutzt, Energie vor Ort erzeugt und zusätzliche Wertschöpfung geschaffen wird. Die regelmäßigen Erhebungen im Rentenbank-Agrarbarometer zeigen eine anhaltend hohe Investitionsbereitschaft der Landwirtschaft in erneuerbare Energien. Darin liegt eine große Chance für Deutschland.

Bio-LNG zeigt, woran Skalierung heute scheitert. Das Beispiel Bio-LNG verdeutlicht das große Potenzial der Landwirtschaft für die Energiewende. Aus Gülle, Mist oder anderen organischen Rest- und Nebenstoffen kann auch ein erneuerbarer Kraftstoff entstehen, der besonders dort sinnvoll eingesetzt werden kann, wo batterieelektrische Lösungen derzeit an technische oder infrastrukturelle Grenzen stoßen – etwa im Schwerlastverkehr oder in der Schifffahrt.

Bio-LNG zeigt aber auch die Hürden, wenn es darum geht, dieses Potenzial zu realisieren. Obwohl Expertinnen und Experten die Technologie als marktreif einstufen, stockt ihre Skalierung. Unsere aktuelle Potenzialanalyse, durchgeführt im Rahmen der „Bioeconomy Deep Dives“ zeigt: Der Markthochlauf scheitert an regulatorischen Unsicherheiten, komplexen Nachweis- und Zertifizierungssystemen, langwierigen Genehmigungsverfahren, Wettbewerbsnachteilen gegenüber subventionierten Importen und fehlender Investitions- und Planungssicherheit.

Aus Regulierung muss ein Standortvorteil werden. Die innovative Technologie und die notwendigen Rohstoffe sind vorhanden. Damit Deutschland das Potenzial von Bio-LNG voll ausschöpfen kann, braucht es politische Weichenstellungen, die die breite Nutzung fördern. Der Gesetzgeber muss:

  • Investitions- und Planungssicherheit schaffen: Wer Investitionen mit jahrzehntelangen Laufzeiten erwartet, muss stabile regulatorische Rahmenbedingungen und verlässliche Übergangsregelungen bieten.
  • Faire Wettbewerbsbedingungen herstellen: Heimische Produzenten dürfen gegenüber subventionierten Importen nicht benachteiligt werden. Gleichzeitig braucht es transparente Nachhaltigkeitsstandards und wirksame Kontrollen gegen Greenwashing und Zertifikatsbetrug.
  • Die Nachfrage stärken: Gerade im Schwerlastverkehr können Instrumente wie eine CO₂-orientierte Mautdifferenzierung oder technologieoffene Förderprogramme den Markthochlauf klimafreundlicher Kraftstoffe beschleunigen.

Diese drei Punkte zeigen beispielhaft, wie Regulierung vom Bremsklotz zu einem positiven Wettbewerbsfaktor für die Skalierung innovativer Technologien werden kann. Das ist nicht nur im Bereich Bio-LNG wichtig, sondern auch für viele andere innovative Lösungen der Energiewende.

Innovation braucht starke Finanzierungspartner. Für Investitionen in zukunftsfähige Technologien braucht es nicht nur einen innovationsfreundlichen Ordnungsrahmen, sondern auch ausreichend Kapital und verlässliche Finanzierungspartner.

Hier setzt die Rentenbank an: Als Förderbank für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum unterstützt sie gezielt Investitionen in erneuerbare Energien – darunter Biogas- und Biomethananlagen sowie Anlagen zur Herstellung biogener Kraftstoffe.

Skalierung entscheidet über den Erfolg der Energiewende. Die Energiewende wird nicht allein durch neue Technologien entschieden. Entscheidend ist, ob wir Innovationen schnell genug in die breite Anwendung bringen. Deutschland verfügt über exzellentes Know-how, engagierte Unternehmen und investitionsbereite landwirtschaftliche Betriebe. Dieses Potenzial ist vorhanden – insbesondere im ländlichen Raum. Was jetzt gebraucht wird, sind die richtigen politischen Weichenstellungen.

Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank
Hans-Henning Schurr, Geschäftsführer des RootCamps

#Bioökonomie #Energiewende #Landwirtschaft #Rentenbank

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